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13.07.2026

300 Millionen Euro Steuerschaden: Schlag gegen internationales Betrugskarussell

Eine Ermittlungsaktion gegen mutmaßlichen Umsatzsteuerbetrug im europäischen Fahrzeughandel, die so genannte Operation Alba, hat einen Erfolg erzielt: Mehr als 70 Beschuldigte sind identifiziert; jetzt wurden zwei davon festgenommen.

Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Finanzministeriums hatte die Europäische Staatsanwaltschaft (EUStA) in Köln im Rahmen der großangelegten Ermittlungen zum Verfahren "Huracán" weitere Erkenntnisse gewonnen. Diese hätten am 09.07.2026 zu zwei Festnahmen geführt, eine in Deutschland und eine in den Niederlanden, sowie zu Durchsuchungen und Sicherstellungen in Deutschland, Polen und den Niederlanden.

Das nordrhein-westfälische Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität führe seit 2021 die Ermittlungen gegen die in Nordrhein-Westfalen ansässige Kernzelle des Netzwerks für die EUStA; an der Operation war laut Finanzministerium zudem das Zollfahndungsamt Essen beteiligt.

Den Verdächtigen werde vorgeworfen, Fahrzeuge von den bereits im Oktober 2024 verurteilten Hauptbeschuldigten gekauft zu haben. Anschließend sollen sie die Fahrzeuge an Autohändler innerhalb und außerhalb Deutschlands, insbesondere in den Niederlanden und Portugal, weiterverkauft haben.

Sodann sollen sie diese Fahrzeuge als so genannte Differenzbesteuerungsfahrzeuge an Autohändler innerhalb und außerhalb Deutschlands, insbesondere in den Niederlanden und Portugal, weiterverkauft haben. Dadurch hätten die Autohändler in Deutschland und den Niederlanden die Umsatzsteuer lediglich auf ihre Gewinnspanne zahlen können, also auf die Differenz zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis, und nicht auf den Nettowert des Fahrzeugs. Dieses Vorgehen soll zur Hinterziehung von Umsatzsteuer im Land des jeweiligen Endverkäufers geführt haben. Allein hierdurch sei nach bisherigen Erkenntnissen ein Umsatzsteuerschaden von mehr als 3,2 Millionen Euro entstanden, so das Finanzministerium Nordrhein-Westfalen.

Die Untersuchung habe Anfang 2021 mit einem Hinweis einer italienischen Steuerbehörde an das Bundeszentralamt für Steuern begonnen. Hintergrund seien fehlende Angaben zum Ankauf und möglichen Weiterverkauf von Fahrzeugen gewesen, die aus Deutschland nach Italien importiert worden waren. Daraufhin habe die Steuerfahndung in Münster Ermittlungen eingeleitet, die kurze Zeit später von der Europäischen Staatsanwaltschaft in Köln übernommen worden seien. Seitdem seien neun Personen rechtskräftig verurteilt worden. Die Freiheitsstrafen reichten von zwei bis sieben Jahren.

Insgesamt stünden mehr als 70 Personen im Verdacht, an der organisierten Gruppierung beteiligt gewesen zu sein oder die Hauptbeschuldigten unterstützt zu haben. Zwischen 2017 und Juni 2023 soll das großangelegte Umsatzsteuerbetrugssystem einen Schaden von rund 300 Millionen Euro verursacht haben. Davon konnten laut Finanzministerium bislang etwa 15 Millionen Euro gesichert werden.

Die jetzigen Maßnahmen seien in Deutschland, den Niederlanden und Polen durchgeführt worden. Neben umfangreichen digitalen Beweismitteln seien bei den Durchsuchungen auch Waffen, Luxusfahrzeuge und weitere Vermögenswerte sichergestellt worden, darunter Uhren, Bargeld und Schmuck. Darüber hinaus habe man Fahrzeuge und Immobilien im Wert von mehr als 2,5 Millionen Euro beschlagnahmt.

Finanzministerium Nordrhein-Westfalen, PM vom 10.07.2026