06.07.2026
Die Bundesregierung hat eine Einkommensteuerreform angekündigt. Diese kritisiert der Bund der Steuerzahler (BdSt) als "unzureichend und irreführend". Nach Einschätzung von BdSt-Präsident Reiner Holznagel bleibt von den angekündigten Entlastungen deutlich weniger übrig, als die Koalition vermittelt. "Das ist gar keine echte Steuerreform. Die Bundesregierung verkauft die Pflicht als Kür. Ein erheblicher Teil des angekündigten Entlastungsvolumens entfällt auf Maßnahmen, die ohnehin notwendig gewesen wären – vor allem auf den Abbau der kalten Progression. Das ist keine zusätzliche Entlastung, sondern bloß die Rückgabe von Geld, das den Steuerzahlern aufgrund der Inflation gar nicht erst hätte genommen werden dürfen."
Nach BdSt-Berechnungen müsste allein der Abbau der kalten Progression im Jahr 2027 – bei einer Inflationsrate von 2,5 Prozent – rund sechs Milliarden Euro ausmachen. Andere Schätzungen gingen sogar von acht bis neun Milliarden Euro aus. Bleibt es beim angekündigten Gesamtvolumen von rund zehn Milliarden Euro, blieben nur rund vier Milliarden Euro für echte steuerliche Verbesserungen. "Gemessen an einem Steueraufkommen von rund 990 Milliarden Euro entspricht das einer Entlastung von gerade einmal rund 0,4 Prozent", stellt Holznagel fest. Von einer großen Steuerreform könne deshalb keine Rede sein.
Besonders skeptisch bewertet der Verband die von der Bundesregierung in Aussicht gestellten Entlastungen für Familien. Zwar würden höhere Kindergeldzahlungen angekündigt, doch steuerlich sei bislang kam eine spürbare Verbesserung erkennbar. Gleichzeitig drohten an anderer Stelle neue Belastungen – etwa durch steigende Kranken- und Rentenversicherungsbeiträge, höhere Beitragsbemessungsgrenzen sowie zusätzliche Verbrauchsteuern und CO₂-Abgaben. "Die Gefahr ist groß, dass viele Familien trotz Einkommensteuerreform am Ende kaum mehr Geld im Portemonnaie haben."
Der BdSt kritisiert auch die mangelnde Transparenz der Reformpläne. Bis heute fehlten wesentliche Berechnungsgrundlagen aus dem Bundesfinanzministerium, sodass die tatsächlichen Auswirkungen auf verschiedene Einkommensgruppen nicht seriös nachvollzogen werden könnten.
Scharfe Kritik übt der Verband außerdem an der geplanten Verschärfung des Einkommensteuertarifs für höhere Einkommen. Die vorgesehene Anhebung der so genannten Reichensteuer treffe nicht nur vermögende Privatpersonen, sondern vor allem zahlreiche mittelständische Unternehmen, Handwerksbetriebe und Personengesellschaften, die der Einkommensteuer unterliegen. "90 Prozent unserer Betriebe zahlen Einkommensteuer und keine Körperschaftsteuer. Mit dem Solidaritätszuschlag nähert sich die steuerliche Grenzbelastung der 50-Prozent-Marke. Wer Leistung, Investitionen und unternehmerisches Risiko dermaßen besteuert, sendet falsche Signale für den Wirtschaftsstandort Deutschland."
Stattdessen spricht sich der BdSt für eine umfasse Reform des Einkommensteuertarifs aus: Der Spitzensteuersatz müsse deutlich später greifen, der Soli für alle vollständig abgeschafft und der Mittelstand spürbar entlastet werden. Eine höhere Besteuerung sehr hoher Einkommen könne allenfalls bei deutlich höheren Einkommensgrenzen – etwa ab einem zu versteuernden Einkommen von einer Million Euro – diskutiert werden.
Bund der Steuerzahler e.V., PM vom 02.07.2026