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08.01.2026

Mannheim Tax Index: Steuersätze in Europa gleichen sich an

Das Update des Mannheim Tax Index 2025 zeigt: Die relative steuerliche Standortattraktivität verändert sich bei Niedrig- und Hochsteuerstandorten nur wenig. Gemessen an der effektiven Durchschnittssteuerbelastung (EATR) steigen jedoch in mehreren mittel- und osteuropäischen Staaten die Körperschaftsteuersätze und nähern sich dem EU-Durchschnitt an. Gleichzeitig gewinnt die Frage an Bedeutung, wie Staaten Investitionen nicht nur über Steuersätze, sondern auch über gezielte steuerliche Anreize stimulieren können. Das teilt das ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung mit.

In einigen Ländern steigen danach die Steuersätze spürbar: Estland erhöhe den allgemeinen Körperschaftsteuersatz von 20 auf 22 Prozent und schaffe den reduzierten Satz von 14 Prozent ab, Litauen hebe ihn von 15 auf 16 Prozent und die Slowakei sogar von 21 auf 24 Prozent. Bereits im Vorjahr ihre Steuersätze erhöht hätten Slowenien (von 19 auf 22 Prozent) und Tschechien (von 19 auf 21 Prozent). Treiber dieses Trends sind laut ZEW die Belastungen durch die multiplen Krisen der letzten Jahre – und damit der gestiegene Bedarf für stabilisierte Staatseinnahmen.

"Derzeit beobachten wir in der EU die Abkehr von einer aggressiven Steuerpolitik, bei der Standortvorteile vor allem durch sinkende Steuersätze geschaffen werden. Vor diesem Hintergrund ist die geplante Senkung des kombinierten Unternehmenssteuersatzes bis 2032 von rund 30 auf 25 Prozent in Deutschland ein sinnvoller Schritt. Damit nähert sich Deutschland wieder einem konkurrenzfähigen Steuerniveau an, ohne direkt in einen europäischen Unterbietungswettbewerb einzusteigen. Entscheidend wird allerdings sein, Investitionen stärker über die steuerliche Bemessungsgrundlage zu fördern, denn hier liegen die größten Hebel, um die Kapitalkosten wirksam zu senken und zusätzliche Investitionsanreize zu setzen", erklärt Julia Spix, Wissenschaftlerin im ZEW-Forschungsbereich "Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft".

Während Steuersatzänderungen die EATR deutlich beeinflussen, wirken sich indirekte Steueranreize (zum Beispiel Abschreibungsregeln) laut ZEW insbesondere auf die Kapitalkosten aus – also auf die Rendite, die eine Investition vor Steuern mindestens erzielen muss, damit sie nach Steuern im Vergleich zu einer alternativen Geldanlage am Finanzmarkt noch attraktiv ist. In Hochsteuerländern sei die Spannbreite groß: In den letzten zehn Jahren hätten die Kapitalkosten in Italien und Portugal bei durchschnittlich 4,6 Prozent (Patente) beziehungsweise 4,1 Prozent (Maschinen) gelegen. Das Vereinigte Königreich hingegen habe trotz Anhebung des Körperschaftsteuersatzes auf 25 Prozent im Jahr 2023 die Kapitalkosten für Maschinen durch vollständige Sofortabschreibung auf 4,7 Prozent gesenkt. Deutschland biete großen Unternehmen derzeit deutlich weniger Anreize: Kapitalkosten von 5,7 Prozent (Patente) beziehungsweise 6,4 Prozent (Maschinen) lägen klar über dem angenommenen Marktzins der Geldanlage von fünf Prozent.

Der Mannheim Tax Index ist ein Indikator für das effektive Steuerniveau von Unternehmen. Hierbei vergleicht er Länder und Regionen aus steuerlicher Sicht und berücksichtigt dabei alle Steuern auf Gewinne und investiertes Kapital sowie die wichtigsten Regelungen zur Ermittlung der Bemessungsgrundlage. Es werden zwei generelle Stränge verfolgt: die Besteuerung inländischer Unternehmen mitsamt ihren Anteilseignern und grenzüberschreitende Unternehmensinvestitionen. Der Mannheim Tax Index basiert laut ZEW auf dem investitionstheoretischen Ansatz von Devereux und Griffith (1999, 2003).

ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, PM vom 05.01.2025